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Pressemitteilung vom 24.07.2014
Ganztagsgarantie des Ministerpräsidenten Maly: Der Freistaat muss Ganztagsschulen personell und finanziell besser ausstatten

„Mit dem Versprechen des Ministerpräsidenten, die Ganztagsbetreuung beim Kommunalgipfel zu thematisieren, kommt hoffentlich Dynamik in eine unbefriedigende Situation. Leider gibt es die Ganztagsschule noch nicht in der Qualität, wie sie die Eltern und Kinder wünschen, mit sicheren Betreuungszeiten am Freitagnachmittag und in Ferien, mit guten pädagogischen Angeboten und Betreuungsangeboten, in der Vernetzung mit Vereinen und Verbänden im Freizeitbereich", sagt der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly: „Der Freistaat muss Ganztagsschulen personell und finanziell besser ausstatten. Wir brauchen eine Harmonisierung bei Trägerschaft und Finanzierung von Ganztagsangeboten. Die Zusammenarbeit von Schule und Betreuungsangeboten muss verbessert werden."


Maly: „Die Bedürfnisse von Kindern und Eltern haben sich in den letzten Jahren rapide gewandelt. Das Schulwesen muss sich diesem gesellschaftlichen Umbruch anpassen. Das frühere Familienbild - Mama am Herd, Papa in der Arbeit - ist heute differenziert. Die Berufstätigkeit beider Elternteile nimmt zu, die Zahl an Alleinerziehenden steigt, soziale Umbrüche schlagen durch. Die Kinder, die heute in der Krippe krabbeln, sitzen morgen in der Schule: Die Krippenkinder von heute brauchen in wenigen Jahren ein Ganztagsangebot. Auf diese Entwicklungen muss das Schulwesen mit verbesserten Ganztagsangeboten reagieren." Die Staatsregierung verspricht den Ausbau eines bedarfsgerechten Ganztagsangebots für Schüler bis 14 Jahre. Ministerpräsident Horst Seehofer hat in seiner Regierungserklärung eine Ganztagsplatzgarantie bis 2018 gegeben. Maly: „Der Städtetag unterstützt diese Bemühungen, zumal Bayern bei der Ganztagsschule aufholen muss. Nun muss die Staatsregierung klären, wie sie die ehrgeizige Ganztagsgarantie realisiert."


Maly: „Der Ganztag muss so gestaltet sein, dass die Menschen ihn verstehen. Der erste Schritt zur Umsetzung der Ganztagsgarantie: Wir müssen den Wirrwarr zwischen Horten und schulischer Mittagsbetreuung aufräumen. Vielfältige Betreuungsmöglichkeiten und Fördersysteme laufen nebeneinander her. Das Durcheinander mit einem Dutzend unterschiedlicher Angebote in Schulen und Horten muss harmonisiert und gegliedert werden. Wir brauchen einen Baukasten mit einigen tragfähigen Elementen, die sich passgenau vor Ort zusammenfügen lassen." Derzeit bestehen Horte, Tagespflege, Großtagespflege, Halbtagsgrundschule mit Morgenbetreuung, Halbtagsgrundschule mit Mittagsbetreuung, offene Ganztagsschule und gebundene Ganztagsklassen. In Bayern liegt bei rein schulischen Ganztagsplätzen (Stand Schuljahr 2012/13) der Anteil bei 9,6 Prozent, der Bundesdurchschnitt lag 2011 bei 26 Prozent. Erst mit der Mittagsbetreuung und den Betreuungsangeboten kommunaler oder kommunal finanzierter Kindertagesstätten und Horte erreicht Bayern einen Ganztagsanteil von 22,4 Prozent: Ein Großteil der Lasten für Ganztagsangebote liegt somit bei den Kommunen.


Maly: „Das Schulwesen muss so angepasst werden, dass Eltern und Schüler damit gut umgehen können: Dies gilt für die Zeiten, in denen Eltern arbeiten und Kinder Betreuung benötigen, etwa in 13 Wochen Schulferienzeiten oder am Nachmittag." Der letzte Bildungsgipfel liegt fünf Jahre zurück: 2009 haben Staatsregierung und kommunale Spitzenverbände gemeinsam beraten. Maly: „Der Kommunalgipfel im Herbst ist ein guter Anlass, um einen Ausbauplan zu erstellen und Klarheit über die Finanzierung zu erhalten. Ohne die Kommunen als Träger des Sachaufwands vor allem bei Schulbauten kann dies nicht geschehen: Der höhere Raumbedarf für Schülergruppen, Mensen oder zusätzliche Räume für Lehrkräfte kostet Geld. Da muss der Freistaat mit einer höheren Förderung ansetzen. Und: Die Ganztagsschule läuft nur, wenn die Lehrerkollegien solide ausgestattet sind, wenn in Randzeiten und Ferienzeiten schulische Betreuungsangebote gemacht werden."

 

Da der Anteil von Schülern mit familiären Problemen, schulischen Verhaltensauffälligkeiten, Migrationshintergrund, Gewaltbereitschaft oder mit Drogenproblemen steigt, sind neue Möglichkeiten für das Zusammenwirken von Jugendamt und Schule nötig. Diese Kinder und Jugendlichen brauchen eine Chance, um sich in den Schulbetrieb und in die Gesellschaft einzubinden. Maly: „Neue Formen der Zusammenarbeit müssen unter einem Dach zusammen geführt werden: Es hilft Kindern, Jugendlichen, Lehrern und Sozialarbeitern wenig, wenn kommunale Jugendhilfe und staatliche Schule getrennt nebeneinander her arbeiten. Eine integrative Betreuung und Beschulung kann helfen. Schule und Jugendhilfe müssen enger verzahnt werden."





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